Ist die deutsche Podcastszene tot?

Date Samstag, 03. November 2007 von Uwe

podcastwelt.jpg

Einen gleichlautenden Beitrag mit schier endloser anschließender Diskussion gibt es seit August im Community-Forum von Podster zu lesen. Die ganze Argumentation für oder wider dieser These, erinnert doch ziemlich stark an die vorangegangenen Trauerreden in Spe für die Blogosphäre, deren andauernder Linkverlust einem Menetekel des Sterbens, der Stagnation und der Verlustes gleichgesetzt wurde.

Fakt ist, es gibt ebensowenig DIE Podosphäre, wie es DIE Blogosphäre oder DEN Blogger gibt. Ähnlich der Entwicklung im Onlinegeschehen, ist solch eine unkritische Masse stets auch Schwankungen und der stetig eigenen Neuerfindung unterworfen. Podcaster definieren sich und ihre Ansprüche, ihre Ziele und die Gemeinsamkeiten, genauso oft und schnell überholt, wie das was trennt, was abstraft und nicht funktioniert.

Während die deutsche Blogosphäre unter dem anscheinend andauernden Linkverlust stöhnt, wird das langsame Absterben der Podcasterszene an der Einstellung einiger bekannten Podcasts festgeschrieben. Die Zeit, in der alles klein und überschaubar war, scheint endgültig vorbei, die Gründerzeit-Euphorie vergangen und für viele scheint die Podosphäre zu groß, zu allgemein und zu anonym zu werden.

Leitfiguren sind immer ein wichtiger Fakt, genauso wie große Ereignisse (Kongresse, Camps etc.). Da hat die Blogsophäre zumindest noch reichlich Barcamps und andere wichtige Veranstaltungen zu bieten, auf denen sich zumeist doch die gleichen Meet-for-greet-Teilnehmer zusammenfinden. In der Podcaster-Szenerie schaut es da schon schmaler aus. Das anberaumte Podcamp in Berlin findet zum zweiten mal statt und was als gelungener Schachzug gepriesen wurde – Barcamp und Podcamp zusammen zu veranstalten – ist letztlich nicht viele mehr als ein Aufgehen des Podcamps in ein reguläres Barcamp.

Es scheint, als fabriziere die Podosphäre einfach nicht genug eigene Ideen, Schlagzeilen und diskutierbare Themen für eine größere Veranstaltung. Fakt ist aber auch, dass knapp 90% aller Podcaster gleichzeitig auch Blogger sind. Warum also trennen wollen, was doch scheinbar eh zusammengehört?

Die Podcaster-Szenerie ist vielseitiger, wenn auch vielleicht unübersichtlicher geworden. Viele der einst bekannten Podcasts sind verschwunden und es fällt scheinbar schwer neue Maßstäbe zu etablieren. Statt einiger weniger “Großer”, denen viele lauschten, sind es nunmehr eine große Anzahl bislang unbekannter Podcasts, die noch auf ihre breite Entdeckung warten, deshalb aber nicht weniger wertvoll oder wichtig sind.

Wer sich nur nach wenigen Leitbildern orientiert und die Maßstäbe setzt, der beschneidet die Kreativität, das Potential und die Möglichkeiten der anderen.

In vielen Dingen ist die Podosphäre einfach noch um ein Stück jünger als der “große Bruder Blogosphäre”, vielleicht unorganisierter, vielleicht angepasster, aber in jedem Fall auch voller Möglichkeiten und Spannungen. Es fehlt weder an Ideen, noch an Podcastern sie umzusetzen, einzig das Verständnis und die Bereitschaft neue Dinge entstehen zu lassen, kann dies einbremsen.

RSS feed | Trackback URI

2 Kommentare »

Kommentar von Jan Subscribed to comments via email
2007-11-04 11:34:35

Hi Uwe, bist Du eigentlich auf dem Barcamp/Podcamp? Gestern abend gab es da eine interessante Diskussion u.a. mit Alex Wunschel und Tim Pritlove über Podcasting in Deutschland, den Unterschied zu den USA, den verpufften Hype, die aktuelle Situation und die Zukunft. Da hättest Du ja sehr gut hingepasst :-)

Ich persönlich denke jedenfalls, dass das Thema Podcasting gerade am Anfang ist. Es gab einen ersten Boom, als es ganz neu war. Von diesen ersten Leuten sind viele wieder abgesprungen und neue Leute entdecken das Podcasting – das sich unterdessen auch stark im Bereich Video entwickelt.

Was fehlt, ist der große Durchbruch bei der Masse der normalen Medien- und speziell Internetnutzer. Ob es den jemals geben wird, müssen wir abwarten. In den nächsten Jahren wird das Thema “zeitversetzte Mediennutzung” auch bei Audio- und Videoinhalten Einzug halten. Derzeit sind die Leute Fernsehen und Radio gewöhnt und kennen die Möglichkeiten in Sachen “on demand” oder “Podcasting” nicht. Das wird sich ändern, wenn mehr solche Geräte wie das Apple-TV ihren Weg in die Wohnzimmer finden. Da kannst Du Podcasts und ähnliche Inhalte per Fernbedienung abrufen.

Ein wenig haben wir ein “Henne – Ei”-Problem: Das Angebot an Podcasts ist trotz der großen Auswahl dünn, wenn man nicht gerade ein Freak auf einem bestimmten Gebiet ist. Dadurch ist das Thema für die breite Masse nicht so interessant. Weil das so ist, gibt es nicht den großen Boom bei den Podcasts.

Kurz gesagt: Wir sind mittendrin in der Pionierzeit. ;-) Und wie auch bei den Blogs muss man einfach Geduld haben, weitermachen und das – ganz wichtig – mit Spaß an der Sache.

 
Kommentar von Meiky
2007-11-09 00:18:48

Hallo Uwe einfach wiedermal ein toller Beitrag. Mehr muß ich da gar nicht sagen. Denn Du schreibst so wie man denkt, oder selber schon mal gedacht hat.

Aber zum Glück gibt es ja so Podcast wie Deinen und na ja, auch meinen, der auch mal ganz, ganz klein war und jetzt schon nach so relativ kurzer Zeit soviel vorweisen kann an Hörern.

 
Name (benötigt)
E-Mail (benötigt,wird nicht veröffentlicht)
URI
Dein Kommentar (schmales Kommentarfeld | großes Kommentarfeld)
You may use <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> in your comment.